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Was du unbedingt über Hypnose (Hypnocoaching) wissen musst

Analytisches Wachbewusstsein vs. Trance

Unser Gehirn ist unglaublich vielschichtig und flexibel. Je nach Anforderungen im Alltag werden unterschiedliche Gehirnareale genutzt und auf Zusammenarbeit optimiert.

Viele alltägliche Herausforderungen lassen sich hervorragend durch analytisches Denken lösen oder dadurch, dass wir die Welt im Aussen ohne starke emotionale Beteiligung betrachten. Dieses analytische Wachbewusstsein bringt große Vorteile im logischen Denken und wenn es darum geht, eher faktenorientiert vorzugehen.

Wenn wir uns allerdings mit Themen beschäftigen, die uns nahe gehen, wenn wir uns in Gedankenspiralen verlieren - ob angenehm oder unangenehm - wenn die Wahrnehmung der Welt um uns herum reduziert ist und wir mit uns selbst beschäftigt sind, sprechen wir von Trance.

Trance im Alltag

Gesunde Menschen wechseln im Alltag sehr häufig zwischen außenorientierten und innenorientierten Bewusstseinszuständen. Leichte tranceähnliche Zustände wie Tagträumen, Gedankenabschweifen und Absorption treten täglich und oft mehrfach auf. Mittlere Zustände wie Flow, starke Versunkenheit oder intensive Imagination treten regelmäßig, aber situationsabhängig auf. Tiefe Trancezustände mit Amnesie, Katalepsie, Analgesie oder halluzinationsähnlichen Phänomenen sind im normalen Alltag deutlich seltener und sollten nicht pauschal als gewöhnliche Alltagserfahrung dargestellt werden.

Die schöne und die dunkle Seite von alltäglichen Tranceerlebnissen

Wenn etwas sehr schönes deine Aufmerksamkeit absorbiert, so wie Verliebtheitsgefühle, bezaubernde Naturstimmungen, Musik, du fühlst dich ruhig und kraftvoll und freust dich auf etwas und kannst kaum an etwas anders denken. Wenn in solchen Momenten innere Bilder und tiefe Emotionen entstehen, dann erlebst du Selbsthypnose im positivsten Sinn.

Das Gehirn simuliert innere Erfahrungen teilweise ähnlich wie echte Wahrnehmung. Mentale Bilder aktivieren neuronale Repräsentationen, die realer Wahrnehmung ähneln; emotionale innere Bilder sind oft stärker gefühlswirksam als bloß verbale Gedanken.

Die Konsequenz: Positive Alltagstrance kann zu einer Art spontaner Selbstkonditionierung werden.

Sie kann:

  • Stimmung stabilisieren
  • Stress reduzieren
  • Hoffnung und Selbstwirksamkeit stärken
  • kreative Lösungen ermöglichen
  • Ziele innerlich „vorerleben“
  • Körperzustände beruhigen
  • Motivation erhöhen
  • Identität positiv organisieren: „So bin ich auch.“

Umgekehrt können schmerzende Erfahrungen in Trance ebenso verstärkt werden:

Wenn der Mensch in einen leichten oder mittleren Trancezustand geht und dieser Zustand mit Angst, Kränkung, Scham, Groll, Ohnmacht oder Katastrophendenken gekoppelt ist, dann kann derselbe Mechanismus schädlich wirken.

Dann wird aus innerem Denken eine Art negatives Selbsthypnose-Training.

Beispiele:

  • Man fährt Auto und denkt immer wieder an ein verletzendes Gespräch.
  • Man liegt im Bett und sieht innerlich, wie etwas schiefgeht.
  • Man duscht und führt im Kopf einen Streit weiter.
  • Man sitzt am Schreibtisch und spürt schon den Misserfolg, bevor man begonnen hat.
  • Man erinnert sich an eine Demütigung und erlebt sie körperlich wieder.

Wer das Phänomen "Hypnose" kennt und ein wenig Erfahrung damit hat, hat gute Chancen, negative Alltagstrancen zu reduzieren und positive Verstärkungen nutzen zu können.

Seit wann wird Hypnose gezielt eingesetzt?

Der Begriff Hypnose wurde erstmals 1820 erwähnt. Der Arzt James Braid erwähnte diesen Begriff 1841 und untersuchte Hypnose erstmals wissenschaftlich als psychologisches Phänomen (Neurohypnosis).

Doch gibt es Belege dafür, dass schon in prähistorischer Zeit Trance vermutlich für Heilrituale oder zur Ich-Stärkung gezielt genutzt wurde. Erzeugt wurde die Trance damals u.a. durch Rhythmus (Trommeln, Rasseln), Tanz, psychoaktive Pflanzen.

Mehr gesicherte Informationen haben wir über Ritualmedizin und Heilschlaf im alten Ägypten, den griechischen Tempelschlaf und indische hypnoseähnliche Techniken.

Was wissen wir über die Wirksamkeit vorwissenschaftlicher Hypnose?

Es gibt einige Überlieferungen, die erstaunliche Wirkungen bei einigen Anwendungsgebieten beschreiben. Wirksamkeitsstudien gibt es dazu natürlich nicht.

Die Erklärungsmodelle zur Wirksamkeit waren damals allerdings durchwegs auf Magie begründet. Auch wenn sich die moderne (klinische) Hypnose strikt von magischen Deutungen abwendet, existieren dennoch weiterhin ernstzunehmende Gruppen, die Trancephänomene in ihrer spirituellen Praxis kultivieren und nutzen. Sie distanzieren sich auch heute noch von rein psychologischen Deutungen und bezeichen ihre Vorgehensweise typischerweise nicht als Hypnose.

Die Möglichkeit, Hypnose wissenschaftlich zu evaluieren, existiert erst seit kurzer Zeit. In diesem Sinne sind detailierte Wirkungsvergleiche mit antiken oder sogar prähistorischen Vorgehensweise nicht möglich.

Wann kann (hypnotische) Trance im ganz normalen Beratungsalltag (psychosoziale Beratung) zum Thema werden?

Nur wenige psychosoziale Berater (Lebens- und Sozialberater) bewusst, dass hypnotische Trance nicht nur durch gezielte Hypnoseeinleitungen entstehen kann. Viele Standardtechniken (komplexes zirkuläres Nachfragen, paradoxe Interventionen, intensive innere Suchprozesse des NLP, im NLP auch Arbeit mit Submodalitäten, Aufstellungsarbeit u.v.m.) erzeugen sehr häufig mittlere bis tiefe Trancen - mit allen Konsequenzen.

Klienten optimal zu unterstützen bedeutet, dass man als Berater versteht, wie das Gehirn in hypnotischer Trance Informationen verarbeitet und wie solche Trancezustände (zufällig oder mit Absicht eingeleitet) zum Wohl des Klienten genutzt werden können.

Fazit:

  • Hypnose ist ein Alltagsphänomen, das sehr häufig spontan entsteht. Je nachdem, was im Hypnoseerleben geschieht, kann die "zufällige" Hypnose im Alltag wunderbar bereichernd oder auch belastend sein.
  • Hypnose verstärkt die Fähigkeit von Gehirnzellen, sich neu vernetzen (Neuroplastizität -> gewohnte Denk- und Verhaltensmuster können sich leichter auflösen und durch neue ersetzt werden).
  • Man kann nie ausschließen, dass in einem Beratungssetting mitteltiefe oder tiefe hypnotische Trance entsteht. Auch wenn man das nicht beabsichtigt. Das ist eher die Regel als die Ausnahme - vor allem, wenn es um sehr emotionale Themen geht.
  • Im Hypnocoaching wird Hypnose nicht dem Zufall überlassen, sondern gezielt damit gearbeitet. Im Sinne der Tätigkeitsfelder psychosozialer Beratung wird Hypnose in diesem Fall selbstverständlich nicht therapeutisch eingesetzt, sondern für Themen dieser Berufsgruppe.
  • Das gezielte Nutzen hypnotischer Trance in Psychotherapie und für therapeutische Zwecke nennt man Hypnotherapie. In der psychosozialen Beratung nennen wir den gezielten Einsatz von Hypnose zum Wohle unserer Klienten Hypnocoaching.
  • Eine professionelle Hypnoseausbildung vermittelt dir ein fundiertes Wissen und Können, mit dem du Hypnose im Rahmen deiner Berufsbefähigung verantwortungsbewusst einsetzt.